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Kleines Virus - große Wirkung!

In diesen Tagen überschlagen sich die Nachrichten mehrmals täglich, Einschränkungen und Vorgaben ändern sich im Eiltempo und die Unsicherheit wächst mit jeder neuen Meldung. Alle Gruppen der Gesellschaft sind betroffen. Viele in ihrer Existenz, einige in ihrem beruflichen Alltag, alle in ihrer Freiheit. Wir in der Villa Kunterbunt sind hiervon nicht ausgenommen. Aber wir wären nicht die Villa Kunterbunt, wenn wir mit dieser Situation nicht – wie bereits in der Flüchtlingskrise –klar, planvoll, kunterbunt und kreativ umgehen würden. Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl der Reaktion. In unseren Reaktionen liegen unserer Entwicklung und unsere Freiheit. (Viktor Frankl) Ungefähr 200 Kinder werden im Rahmen unserer Angebotspalette von ca. 65 Mitarbeitenden betreut. Wohngruppen, Tagesbetreuungen, Besonderen Hilfen und Erziehung in Familien sind die Bereiche. Ein Schwerpunkt der Hilfen liegt in dem Angebot „Erziehung in Familien“. Hierzu gehören die Betreuung und Begleitung von Erziehungsstellen nach § 34, Sonderpflegestellen nach § 33 Satz 2 und Pflegefamilien nach § 33. Insgesamt sind wir in dem Bereich für 170 Kinder und Jugendliche zuständig. Betreuung und Begleitung von Familien bedeutete für unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in „Vor-Corona-Zeiten“ monatliche Hausbesuche, Frühstücke und anderen Gruppenangebote mit den Pflegefamilien, Aktionstage mit den Pflegekindern, begleitete Umgangskontakte, Teamsitzungen, Teilnahme an Gruppensupervision, Fortbildungen, Hilfeplangespräche, Fallkonferenzen u.v.m. Und nun? Kleines Virus große Wirkung. Nichts geht mehr! Schulen und Kindergärten geschlossen! Prüfungen verschoben, Lernstoff ade! Und wie sollen sich nur die Kinder – außerhalb des Marathonprogramms im normalen Alltag – überhaupt beschäftigen? Fernsehkonsum und Online-Zocke oh je! Beratung eingestellt? Und was ist mit dem Kinderschutz? *Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum…* In diesem Raum lassen sich viele Alternativen zu den allgemeingültigen, gängigen und erprobten Methoden und Abläufen finden. Zoom, WhatsApp-Call! Telefonate! Emails und SMS! Briefe! Fensterln! Filme! Musik! Fotos! Spiele! Basteln! Backen! Kochen! Lesen! Vorlesen! Malen! Spaziergänge! Radausflüge! Inliner-Touren! Plakate an den Fenstern! Gemeinsame Mahlzeiten! Um nur ein paar gut gängige Alternativen zu nennen. Wir erzählen Mut machende Geschichten und positive Erfahrungen aus unserem Villa-Leben, wohl wissend, dass diese Geschichten nur ein Teil der Corona-Wahrheit sind, und es außer dem ausreichend schwierige und Sorgen bereitende Auswirkungen gibt. Aber, eben nicht nur. Um die bessere Seite der Medaille soll es hier gehen. *Kleines Virus – große Wirkung!* WENIGER IST MEHR In den allermeisten unserer Familien tritt bisher keine der befürchteten Katastrophen ein. Mit ein wenig Geduld werden sogar die von den Lehrkräften kunterbunt gemixten Lernaufgaben irgendwie erledigt. Und inzwischen ist ja klar, dass es dafür nicht einmal Noten gibt. Puh! Hier können ganz ohne wirklich spürbare Konsequenzen Eigeninitiative und Selbstorganisation geübt werden. Und werden möglicherweise dabei sogar erlernt! Die von Eltern so oft geforderten Gemeinschaftsaktionen sind plötzlich attraktiv. Wenn sonst nix mehr geht, ist sogar für 13-Jährige ein gemeinsamer Radausflug eine willkommene Abwechslung. Nie zuvor habe ich so viele Familien mit dem Fahrrad auf den Radwegen rings um unser Dorf getroffen! Gemeinsame Mahlzeiten sind zum Standard geworden. Ohne Diskussion! Und manch einer hilft sogar freiwillig beim Kochen und Backen. Wahre Talente zeigen sich hier! Die gewonnene Zeit, weil zig Fahrten zu Nachhilfe, Verein, Therapie, Freundin hier- Freund dort entfallen, kann für andere Dinge genutzt werden. Der mit den vielen Terminen verbundene Stress – sind wir auch pünktlich, haben wir alles dabei, ist das Kind auch motiviert, wie erledige ich nur zwischendurch noch schnell den Einkauf… - entfällt ersatzlos! Die Entspannung überträgt sich spürbar auf die Kinder. *Kleines Virus – große Wirkung!* WIR DENKEN MEHR AN DIE BEFINDLICHKEIT VON ANDEREN Innerhalb von drei Tagen hat unser musikalischer Kollege ein Liedchen getextet und komponiert, mit Bildern und Videoclips von Kolleginnen und Kollegen unterlegt und damit eine sehr berührende Botschaft kreiert, die wir an alle Familien per Email geschickt haben. Unter dem Motto „Passt gut auf euch auf…“ konnten wir unsere Sorge um das Wohl der Familien zum Ausdruck bringen. Eine andere Mitarbeitergruppe hat kurzerhand „Rückenwind“ entwickelt. Ein regelmäßiger Newsletter, gespickt mit vielen Tipps um den Alltag mit Kindern zu gestalten. Die Rückmeldungen zu beiden Aktionen waren von Wertschätzung und Dankbarkeit geprägt. *Kleines Virus - große Wirkung!* KONTAKTLOS IM KONTAKT Wir sind erstaunt, mit welcher Offenheit viele Familien und Eltern auf die Einschränkungen reagieren. In den meisten Fällen treffen wir auf Verständnis und die Bereitschaft, die vielfältigen Alternativen auszuprobieren. Eltern verzichten zugunsten der Gesundheit von allen Beteiligten auf die Besuche bei ihren Kindern. Gut gemanagt verspüren sie dann sogar das Gefühl, im Verzicht nützlich zu sein und Gutes zu tun. Wir verzeichnen einen Anstieg an Päckchen, die Eltern für ihre Kinder schicken. Es wird mehr telefoniert und mehr in den sozialen Medien ausgetauscht. Aber ist das schlimm? Oma und Opa, die nicht zu Besuch kommen können, beschäftigen sich mit WhatsApp und anderen technischen Neuerungen, Enkel helfen bei der Umsetzung und haben Spaß, Grüße und Nachrichten endlich einmal legal auf diese Art verschicken zu dürfen. Beide Seiten lernen dabei! Eine Jugendliche aus einer Villa-Pflegefamilie hat uns erzählt, dass sie mit ihrem Freund neuerdings „fensterlt“. Sie steht oben an ihrem Fenster, er unten im Garten. So was gab es zuletzt bei Romeo und Julia! Teamsitzungen finden neuerdings via Videokonferenz statt. Man freut sich, sich endlich wieder einmal „zu sehen“. Der Ablauf ist äußerst diszipliniert und auf das Nötigste beschränkt. Was ja kein Schaden ist. Vieles wird in Telefonaten miteinander ausgetauscht und entschieden. Es bleibt Zeit, konzeptionelle Überlegungen anzustellen und Liegengebliebenes aufzuarbeiten. Dennoch fällt dem einen oder anderen im Homeoffice die Decke auf den Kopf. Oder die Organisation – zwischen Kinderbetreuung und Schreibtisch-Sharing mit dem Partner– nervt. Jeden Tag im Stau auf der Autobahn kann auch nerven. Und Kinder in die KiTa hinbringen, wieder abholen dann schnell zum Verein und dazwischen alles erledigen auch. Also: So what? Machen wir halt Homeoffice. Mit den Familien sind unsere Fachberaterinnen und Fachberater über alle möglichen Kanäle in Kontakt und in einem sehr regelmäßigen Austausch. Auch die Kinder und Jugendlichen sind hier eingebunden. Das kann auf Dauer die persönlichen Kontakte nicht ersetzen. Vorübergehend ist es durchaus möglich, per Videoanruf oder Telefon einen Eindruck von der Stimmung in der Familie zu bekommen. In dieser Zeit wird deutlich, dass wir durch unsere monatlichen Hausbesuche – die in guten wie in schlechten Zeiten konsequent stattfinden und alle Familienmitglieder einbinden – eine sehr gute Beziehung zu den allermeisten Familien haben. Hier ist Vertrauen aufgebaut, das durch schwierige Zeiten trägt. Die Familien sprechen kritische Situationen an, fragen um Rat und lassen sich beraten. Alle Kinder und Jugendlichen in der Villa Kunterbunt haben eine Notfallkarte, auf der wichtige Telefonnummern notiert sind. Sollte ihnen unwohl sein, haben zumindest die Älteren die Option sich zu melden. *Kleines Virus - große Wirkung!* KURZ DENKEN – KLAR ENTSCHEIDEN - SCHNELL HANDELN Viele positiven Rückmeldungen erreichten unser Leitungsteam von Seiten der Mitarbeitenden für die zeitnahen Informationen, für klare Handlungsanweisungen und für die Transparenz zu möglichen Folgen. Jederzeit auf dem Stand der rasanten Entwicklung und den permanenten Veränderungen zu sein, sorgte für Sicherheit im täglichen Handeln. Unser Leitungsteam trifft sich zweimal wöchentlich – mit zwei Meter Abstand im großen Besprechungsraum – um die neuesten Entwicklungen und bevorstehenden Aufgaben zu diskutieren, Entscheidungen schnell zu treffen und sofort an die betreffenden Mitarbeiter weiter zu geben. Aber auch um die Ziele und Absprachen außerhalb von Corona nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Zeit muss ja nicht zwangsläufig angehalten sein. Standby ist nicht unser Stil. Die Villa-Welt dreht sich – wenn auch ein bisschen weniger schnell - weiter und wird für die Zeit danach gerüstet sein. Auch die Verantwortlichen in unserem örtlichen Jugendamt im Landratsamt Karlsruhe managen die Krise auf hervorragende Weise. Dies soll an dieser Stelle erwähnt sein, weil es nicht selbstverständlich ist. Wir danken für umsichtiges Denken, transparentes Handeln und die klaren Entscheidungen zum Wohl der Kinder, Jugendlichen und Jugendhilfeeinrichtungen. *Kleines Virus - große Wirkung!* DAS FAZIT Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum… Nutze ihn und erkenne die positiven Veränderungen, die hierdurch entstehen! Pippi Langstrumpf hatte wahrlich auch keine, allgemein gesehen, günstigen Lebens-bedingungen. Viele Gefahren lauerten in ihrem Alltag. Was hat sie nicht alles trotzdem erreicht? Packen wir diese Krise an und machen das Beste daraus! Eure Villa Kunterbunt


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